„Berlin ist dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein.“ – Karl Scheffler
Unter diesem vielzitierten Gedanken begaben sich die Klassen 10a bis 10d unseres Gymnasiums vom 19. bis 23. März auf eine politisch-historische Bildungsfahrt in die Berlin. Ziel der Fahrt war es, zentrale Orte deutscher Geschichte und Gegenwart nicht nur kennenzulernen, sondern sie im Kontext von Demokratie, Diktatur und gesellschaftlicher Entwicklung zu verstehen.
Bereits am Ankunftstag wurde mit einem kulturellen Höhepunkt ein erster Eindruck von der Vielfalt Berlins gewonnen: der Besuch der Deutsche Oper Berlin mit Giuseppe Verdis „Aida“. Die Aufführung bot nicht nur musikalischen Genuss (Vielen Dank an Frau Müller-Witzani für die gezielte Vorbereitung), sondern auch einen Einstieg in die kulturelle Bedeutung der Hauptstadt.
Der folgende Tag stand ganz im Zeichen der Demokratie und der politischen Institutionen der Bundesrepublik. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Reichstagsgebäude, inklusive eines Vortrags auf der Besuchertribüne, eines Gesprächs mit MdB Rebecca Lenhard (Bündnis 90/Grüne) sowie dem Aufstieg zur berühmten Glaskuppel des Architekten Lord Norman Foster.
Auch die historische Dimension Berlins wurde intensiv erschlossen. An der Topographie des Terrors setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Der Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, des Brandenburger Tors (u.a. Fackelzug am 30.Januar 1933) sowie eine Führung durch den ehemaligen Flughafen Tempelhof, auf dessen Gelände eines der ersten KZs errichtet wurde (Columbia), ergänzten dieses dunkle Kapitel.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung und der SED-Diktatur. An der Gedenkstätte Berliner Mauer erhielten die Schülerinnen und Schüler bei einem Rundgang und einem Zeitzeugengespräch unmittelbare Einblicke in Überwachung und Repression. Orte wie der Checkpoint Charlie machten die Teilung der Stadt zusätzlich greifbar.
Neben dem dichten Programm blieb auch Zeit zur eigenständigen Erkundung der Stadt, die viele Schülerinnen und Schüler nutzten, um Berlin in seiner heutigen (auch kulinarischen) Vielfalt zu erleben.
Die Bildungsfahrt macht deutlich, wie eng in Berlin Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind. Geschichte wird hier nicht nur vermittelt, sondern ist im Stadtbild allgegenwärtig und erfahrbar. Die intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen politischen Systemen Deutschlands hat das Verständnis für demokratische Werte hoffentlich nachhaltig gestärkt.
So bestätigte sich am Ende der Reise auf eindrucksvolle Weise das eingangs zitierte Wort von Karl Scheffler: Berlin ist eine Stadt, die sich ständig im Wandel befindet – und gerade darin liegt ihr besonderer Reiz und ihre historische Bedeutung.
R. Kurz



