Wozu ein Schutzkonzept?
Statistisch gesehen sind in Deutschland mindestens ein bis zwei Schüler*innen in jeder Klasse von sexualisierter Gewalt betroffen. Täter*innen stammen häufig aus dem näheren familiären und sozialen Umfeld der Betroffenen. Hierbei stellen nicht nur Übergriffe durch Erwachsene, sondern auch durch andere Kinder und Jugendliche ein erhebliches Risiko dar. In zunehmendem Maße finden Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt mittels digitaler Medien statt.
Da Schule der Ort ist, den alle Kinder und Jugendlichen verpflichtend besuchen, kommt ihr als Schutz-raum gegen sexualisierte Gewalt eine außerordentlich hohe Bedeutung zu. Schule hat dadurch nicht nur den Auftrag, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, um die Schüler*innen zu stärken, sondern auch sichere Rahmenbedingungen zu schaffen.
„Sexualisierte Gewalt“ ist hierbei weit gefasst zu verstehen. Sie beginnt bei Grenzverletzungen, die in der alltäglichen Interaktion häufig beiläufig und verbal geschehen, und reicht über Belästigungen bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie sexueller Nötigung und Vergewaltigung. In der Schule erfor-dern bereits Grenzverletzungen Aufmerksamkeit und niedrigschwelliges pädagogisches Handeln, da sie andernfalls den Boden bereiten für weitere Übergriffe. Dies gilt umso mehr für den Fall, wenn strafrechtlich relevante Tatbestände im schulischen Kontext vorliegen.
Um Schüler*innen vor sexualisierter Gewalt schützen und betroffene Schüler*innen erkennen und unter-stützen zu können, braucht es an allen Schulen eine Kultur des Hinsehens und Hinhörens. Diese wird begünstigt, wenn alle an der Schule tätigen Personen mit Wissen zum Thema sexualisierte Gewalt und mit Handlungssicherheit ausgestattet werden.
Eine Schule, die das oftmals tabubehaftete Thema der sexualisierten Gewalt benennt und im Schulle-ben sichtbar macht, zeigt damit deutlich, dass sie über Handlungsstrategien zur Prävention und Intervention verfügt. Sie positioniert sich damit klar gegen jegliche Art von Übergriffen. Dadurch werden die Sicherheit der Schüler*innen und der in der Schule tätigen Erwachsenen erhöht. Gleichzeitig werden potenzielle Täter*innen abgeschreckt.
Die Forschung zeigt, dass „sozial kompetente Kinder und Jugendliche seltener Opfer und seltener übergriffig bzw. Täter*innen werden. Deshalb sind die Sensibilisierung für Grenzverletzungen sowie die Stärkung von Empathiefähigkeit und Selbstbewusstsein zentrale Bestandteile der bestehenden Erziehungskonzepte an bayerischen Schulen und in den Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung festgeschrieben.
Schutzkonzepte verankern Prävention und Intervention in der Schule und beinhalten jeweils konkrete Maßnahmen und Handlungsleitfäden. Ein in der Schule erarbeitetes und in der Schulfamilie allen bekanntes Schutzkonzept reduziert Unsicherheiten und Ängste, die mit dem Thema einhergehen, und fördert ein respektvolles und achtsames Miteinander. Es bietet im Bedarfsfall konkret Unterstützung für das erforderliche Vorgehen und leistet damit einen wichtigen Beitrag, dass Betroffenen rasch und kompetent Hilfe zuteil wird.
Quelle: ISB Portal Schutzkonzepte